So lange es Konkurrenz gab, wurden die Browser immer besser. Kaum beherrschte Microsoft mit dem Internet Explorer 6 den Markt, wurde der Browser nur noch schleppend weiterentwickelt.
Das sollte sich rächen: In den letzten zwei Jahren wilderte plötzlich ein Fuchs im microsoftschen Browser-Revier. Dieser Fuchs heisst auf Englisch «Firefox» und ist der Internetbrowser der Opensource-Gemeinde (www.mozilla.com/firefox). Er ist gratis und war bei Erscheinen sicherer als Microsofts Konkurrent Internet Explorer 6 (IE 6).
Dazu verfügte Firefox über etliche Funktionen wie RSS-Empfang (Echtzeit-Anzeige von Webseiten-Nachrichten) oder Tab-Browsing (das Anzeigen von mehreren Webseiten in einem Browser-Fenster), die bald zum Surfstandard gehören sollten, IE 6 aber schlicht fehlten. Der Firefox wurde innert Kürze zum Mediendarling. Browserguru Marc Andreessen sah bereits den nächsten «Browserkrieg» am Horizont auftauchen. Er war der Mann hinter dem ersten kommerziellen Browser Netscape, der in grauer Internetvorzeit von Microsofts IE verdrängt wurde.
Neues Design, mehr Sicherheit
Grosse Marktanteile konnte Firefox dem IE bisher zwar nicht abnehmen. Aber obwohl der IE 6 auch heute noch unangefochten der meistverwendete Browser ist, bescherte er Microsoft durch die vielen Sicherheitsprobleme und nicht vorhandenen Funktionen doch einen Imageverlust; die Firma musste reagieren.
Nun steht die erste für den Privatgebrauch taugliche Version des IE 7 als englische Beta zum Herunterladen bereit (microsoft.com/ie). Das Aussehen des IE 7 hat sich grundlegend geändert – und das Benutzerlayout erinnert ein wenig an Firefox: So befindet sich das Feld für die direkte Suche wie beim Fuchs oben rechts. Neben «Tabbed Browsing» beherrscht IE 7 auch Quick Tabs. Damit kann der Anwender mit einem Klick Miniaturen bereits geöffneter Webseiten in einem Fenster anzeigen. Ein Pop-up-Blocker ist ebenfalls integriert. Er hindert Webseiten daran, ungefragt neue Browserfenster zu öffnen. Dieses Tool gabs jedoch schon beim Vorgänger.
Neben dem neuen Aussehen – ans kommende Betriebssystem Windows Vista angelehnt – hat sich vor allem in Sachen Sicherheit viel getan. Gleich zu Beginn der Installation von IE 7 wird ein Programm gestartet, das Windows vor bekannten bösartigen Programmen schützt. Danach wird überprüft, ob man eine legal gekaufte Kopie von Windows benutzt und welche Sicherheitspatches des Vorgängers IE 6 bereits installiert sind. Fehlen wichtige dieser «Flicken», werden sie automatisch ergänzt.
Der Installationsprozess verläuft direkt übers Internets. Mit einem Neustart von Windows wird das Prozedere abgeschlossen, und beim ersten Start des IE 7 kann man den automatischen Phishing-Filter aktivieren, was sich unbedingt lohnt. Mit so genanntem Phishing versuchen Betrüger mit gefälschten Webseiten an Kreditkarten- oder Online-Banking-Informationen zu kommen; der Phishing-Filter soll diese Webseiten in Zukunft schnell erkennen und einen vor solchen Seiten automatisch warnen. Die Optionen des Phishing-Filters wie auch des Pop-up-Blockers sind direkt übers Benutzermenü abrufbar.
Schneller lesen, besser drucken
Neben den Sicherheitsfunktionen sind in IE 7 viele auf den ersten Blick unscheinbare Verbesserungen vorhanden. Clear Type ist eine davon. Damit werden Buchstaben fürs Lesen am Bildschirm optimiert. Zwar ist diese Funktion bereits in Windows XP enthalten, wird allerdings nicht standardmässig eingeschaltet.
Laut Bill Hill von Microsofts Advanced Reading Technologies ist Clear Type im IE 7 jetzt von Haus aus aktiviert, «weil viele Benutzer Funktionen nie kennen lernen, die nicht automatisch eingestellt sind». Hill bezeichnet es als einen Fehler, dass man in Window XP die Option von Clear Type nicht automatisch aktiviert hat, denn: «Untersuchungen haben gezeigt, dass Leute, die Clear Type verwenden, fünf Prozent schneller lesen und die Buchstabenerkennungs-Genauigkeit um 17 Prozent steigt.»
Neben Clear Type ist auch die Druckvorschau erwähnenswert. Laut IE-7-Entwickler Markus Mielke gehört die Druckoption nach dem Surfen zur meistbenutzten Funktion eines Browsers. Die neuen Druckmöglichkeiten des IE 7 sind besser als bei Firefox. Eine der vielen Optionen ist Shrink to Fit. Sie passt eine Webseite automatisch auf ein A4-Blatt an. Der Ärger mit gedruckten Seiten, die lediglich noch eine Zeile enthalten, ist damit Geschichte.
IE 7 ist der Konkurrenz nicht meilenweit voraus. Doch die vielen Verbesserungen im Detail dürften den Browser für einige Internauten unter Windows wieder zur Nummer 1 machen.
Quelle: tagesanzeiger.ch