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«Acrobat» rennt um sein Leben

Windows Vista soll neuen Dokumentenstandard etablieren

Mit Windows Vista will Microsoft einen neuen Standard für elektronische Dokumente lancieren und damit direkt gegen das etablierte Portable Document Format (PDF) von Adobe antreten.

Der wachsenden Bedeutung von Datenbanken zum Trotz basieren heute noch immer sehr viele Geschäftsprozesse auf elektronischen Dokumenten. Diese werden während ihres Lebenszyklus überarbeitet, weitergereicht, kommentiert, signiert, klassifiziert und archiviert. Als Standardformat für derartige Geschäftsdokumente hat sich das von der Firma Adobe entwickelte Portable Document Format (PDF) etabliert.

Ein Bericht von Martin Spaar (Publisher) für NZZ.ch

Faksimilequalität

Ursprünglich stand bei diesem «elektronischen Papier» die Faksimilequalität im Vordergrund: Schriften, Grafiken und Bilder sind in die Datei eingebettet, so dass ein PDF-Dokument auch beim Datenaustausch über die Systemplattformen hinweg sein definiertes Aussehen bewahrt. Weil der Adobe Reader zum Betrachten und Drucken von PDF-Dateien gratis verfügbar ist und sich PDF-Dokumente über den Druckertreiber sehr einfach erstellen lassen, hat sich diese Technologie sehr rasch verbreitet. Im Laufe der Jahre hat Adobe PDF und die Acrobat-Softwarefamilie so weiterentwickelt, dass sich über die Form und den Inhalt hinaus auch Geschäftsprozesse damit abbilden lassen. Dabei generiert Adobe seinen Umsatz einerseits mit der Acrobat- Software für den einzelnen Arbeitsplatz und andererseits mit Server-Lösungen, die einen digitalen Formular-Workflow ermöglichen.
Schlüsselrolle im Unternehmensmarkt

Adobes Allianzen mit IT-Grössen wie IBM und SAP unterstreichen die strategische Bedeutung von PDF in der Unternehmensinformatik. Damit bewegt sich die Firma Adobe, die früher den grössten Teil des Umsatzes mit Publishing-Werkzeugen wie Pagemaker, Illustrator und Photoshop generierte, immer mehr in Gefilden, in denen Microsoft die Kontrolle über die strategisch wichtigen Standards für sich beansprucht. Mit der Übernahme von Macromedia vor einem Jahr avancierte Adobe vollends zum ernstzunehmenden Key-Player im Unternehmensmarkt. Microsoft verhielt sich daher immer sehr distanziert gegenüber PDF. Von Hause aus kann kein Windows-System mit diesem Dateiformat umgehen; der Anwender muss dazu selbst den Adobe Reader oder die ganze Acrobat-Software installieren. Dass dies auf rund 89 Prozent aller PC der Fall ist, spricht für die Beliebtheit dieses Standards.

Microsoft wird mit Windows Vista ein neues Dokumentenformat eingeführen, das offen und direkt in Konkurrenz zu PDF tritt: Das neue XPS-Format (XML Paper Specification) verspricht, was PDF auch leistet: Faksimilequalität, digitale Signatur, Zuweisung von Berechtigungen usw. Dabei wird XPS sehr eng mit dem Windows- Betriebssystem verflochten sein. Ähnlich wie PDF stellt auch XPS eine Verbindung von Drucktechnologie und Dokumentenstandard dar. Darüber hinaus ist XPS Teil des Grafikmodells des Betriebssystems. Dies bedeutet für die Windows- Plattform einen entscheidenden Fortschritt, indem Bildschirmdarstellung und Druck auf derselben Technologie basieren. Das Grafikmodell (GDI) der bisherigen Windows-Versionen kann heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen. XPS beherrscht im Unterschied zu diesem auch Verläufe, Transparenzen, Vektorgrafik und präzise Farbdefinitionen.

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