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Funkende Computerchips im Körper

Ein amerikaner Bastler hat sich mit implantierten Computerchips zur menschlichen Fernsteuerung gemacht. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine wird Realität.

Wenn der Amerikaner Amal Graafstra seine Haustür aufschliesst, ins Auto steigt oder den Computer entsichert, dann macht er dies nicht mit normalen Schlüsseln. Er benutzt dazu Computerchips, die in seinem Körper stecken: Der 29-Jährige liess sich in die Hände je einen RFID-Chip operieren. Mit dieser RFID-Technik (Radio Frequency Identification) tauscht Graafstra Daten über kurze Entfernungen berührungslos und ohne Sichtkontakt aus. Die Schlösser öffnen sich so automatisch, wie von Geisterhand – Graafstra wird zur menschlichen Fernsteuerung. Damit treibt er auf die Spitze, was heute schon im Ansatz zu beobachten ist: Wir umgeben uns mehr und mehr mit elektronischen Geräten (iPod, Digicams, Handys), die immer flacher werden und sich dem Körper vollends anzupassen versuchen.

Die RFID-Technologie war zu Beginn vor allem für konkrete wirtschaftliche Zwecke gedacht – Supermärkte wie WalMart oder Metro experimentieren seit einiger Zeit mit dieser Technologie, da sie nach Alternativen zu den Strichcodes auf Produkteverpackungen suchen. Dank der Funkfähigkeit von RFID-Chips soll für den Kunden auf dem Bildschirm des Einkaufswagens immer ersichtlich sein, was die ausgewählten Produkte kosten – so das Zukunftsszenario. RFID wird aber auch im Sicherheitsbereich eingesetzt: Schweizer Pässe enthalten diese Technologie bald, und die Fifa setzt an der Fussball-WM in Deutschland RFID erstmals ein, um Ticketfälschungen zu unterbinden.

Doch nicht alle teilen die Begeisterung der Industrie, an Kritikern dieser Technologie mangelt es nicht. Vor allem Datenschützer haben Angst: Sie sehen den total überwachbaren Bürger am Horizont auftauchen.

Digitales Piercing fürs Leben

Diese Bedenken hegt Amal Graafstra nicht. Im Gegenteil. Er sieht sich als Vorreiter einer neuen Generation von Menschen, die Computertechnologie ganz selbstverständlich in ihren Körper integrieren – ein digitales Piercing, welches das tägliche Leben erleichtert.

Mit seinen Ideen liegt Graafstra möglicherweise nicht so weit weg von der kommenden Realität. Das jedenfalls legen Entwicklungen in den USA nahe. Die Food and Drug Administration (FDA) hat bereits 2004 der Firma Applied Digital Solutions aus Florida fürs Vermarkten von Chip-Implantaten im Gesundheitswesen grünes Licht gegeben. Patienten sollen damit dem behandelnden Arzt schnell Zugang zu Informationen über ihre Krankheitsgeschichte ermöglichen und so Fehlbehandlungen verhindern helfen.

Amal Graafstra liess seinen Worten und Visionen Taten folgen. Im Buch «RFID Toys: 11 Cool Projects for Home, Office and Entertainment» brachte er seine Erfahrungen zu Papier. Darin stellt er Bauanleitungen vor, wie man mit RFID Türen aufschliesst, einen Tresor sichert oder die Hausbeleuchtung steuert. Die für die Projekte benötigten elektronischen Komponenten sind für wenig Geld zu haben – und die Chips muss man sich dazu auch nicht gleich implantieren.

Quelle: tagesanzeiger.ch: von Christian Bütikofer

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